Kunststoffstraße: neuer Film

In Pfungstadt wurde schon sehr früh Kunststoff verarbeitet. Die alten Mühlen boten sich als Fabrikgelände an und so zog die Kammfabrik Gräf in die Fleischmühle am Büchnerweg. Zuerst wurden wertvolle Rohstoffe aus Horn oder von der Karettschildkröte verarbeitet, später kam der Vorläufer des Kunststoffes, Celluloid als Ausgangsstoff. Kämme – in Sinne von Feststeckkämmen – wurden in die ganze Welt geliefert, auch zur Krönung der englischen Königin Elisabeth. Mit dem Aufkommen des Kunststoffes konnten sich alle Frauen Kämme leisten und für viele Ältere ist noch der Dutt der Mutter oder Oma in Erinnerung, der mit diesen Kämmen festgesteckt wurde. Auch normale Kämme zum Frisieren sowie Kugelschreiber und vieles mehr wurde dort hergestellt. Das Rohmaterial wurde in Platten angeliefert.

Das Stadtmuseum ist Teil der Kunststoffstraße Darmstadt-Dieburg mit seiner Dauerausstellung zur Entwicklung der Kunststoffherstellung sowie im Besonderen der Firmen Kammfabrik Gräf, Hahnmühle und Haso, die in der Zieglerstraße im Spritzgussverfahren führend war.

Der Landkreis Darmsadt-Dieburg hat einen Film über die Kunststoffstraße produziert, der als Kurzbeitrag oder hier angesehen werden kann.

(Foto: Stadtmuseum)

Erzählcafé Ruckelshausen

Sehr viele BesucherInnen kamen zum Erzählcafé über die ehemalige Firma Rekord Ruckelshausen, viele arbeiteten dort oder hatten einen persönlichen Bezug zur Firma. Besonders spannend war es, dass Henning Ruckelshausen, der Nachkomme der Familie anwesend war und anschaulich erzählen konnte. Er hatte ein Ofenmodell mitgebracht, das von den Lehrlingen zu einem Jubiläum in Feinstarbeit gefertigt wurde. Lebhafte Diskussionen entstanden, Erinnerungen wurden wach, vieles war noch sehr lebendig. Gottfried Büchner, der sein ganzes Arbeitsleben bei Ruckelshausen verbrachte, und andere wollen jetzt versuchen, eine Broschüre zur Firma zu machen, die das gemeinsame Leben dort widerspiegelt. Wir freuen uns über die gelungene Veranstaltung und hoffen auf ähnlich viele BesucherInnen bei der Finissage zur Ausstellung am 11.12.2022.

Danke an Marlies Vetter für die Fotos!

Erzählcafé Fa. Ruckelshausen

Im Rahmen der Ausstellung „Firmen und Geschäfte in Pfungstadt“ bietet das Stadtmuseum am Sonntag, 13.11.22 von 15-17 Uhr ein Erzählcafé zur Geschichte der Firma Ruckelshausen in der Alten Remise, Rügnerstraße 35A, an.

1878 gründete Adam Ruckelshausen in der Bahnhofstraße Nr. 50 eine Schlosserwerkstatt und baute dort seinen ersten Küchenherd. Daraus entstand die kleine Fabrik, die sich weiter vergrößerte. 1953 lief die Serienfertigung bereits über ein Montageband. 1961 entstand die Produktionsstätte im neuen Industriegebiet Ostendstraße mit bis zu 500 Mitarbeitern, 110 Auslieferungsfahrzeuge und 36 Millionen DM Jahresumsatz. In den 1980er Jahren wurde die Geschäftslage schlechter und die Firma stellte 1987 den Konkursantrag (Bild gemalt von Rainer Ohl).

9.10.2022: Industriegebiet Obere Rügnerstraße

Am 2. Sonntag im Oktober ist das Gebiet der Oberen Rügnerstraße Thema des Vortrages und des Spaziergangs. Die Alte Remise, Rügnerstr. 34a als „Garage“ der Zündholzfabrik Büttel ist ein Teil des ab 1871 angelegten Industriegebietes. Besonders wird die Etikettierfabrik Seidel in Augenschein genommen, die zurzeit ins neue Industriegebiet umzieht. Weiterhin stehen die ehemaligen Firmen Kömmerling und Haso im Mittelpunkt.

14.8.2022: Industriegebiet Ost: Vortrag und Radtour

Anfang der 1960er Jahre konnten sich die ersten Firmen an der Ostendstraße niederlassen, dazu gehörten die Firma Ruckelshausen, die Studiengemeinschaft Kamprath, Brot-Weber und andere. 1967 wurde das Gebiet stark erweitert, die Werner-von-Siemens- und weitere Straßen kamen hinzu und damit auch sehr große Firmen wie etwa Hofmann Auswuchttechnik und Krautol. Beim Kurzvortrag um 15.30 Uhr wird auf die einzelnen Firmen eingegangen, die für viele Pfungstädter nicht nur Arbeitsplatz waren, sondern auch im Pfungstädter Leben einen großen Platz einnahmen. Um 16 Uhr geht es dann los, um den heutigen Zustand des Industriegebietes mit den Rädern zu erkunden.

Die Firma Ruckelshausen wird am 13.11. noch einmal gesondert behandelt, von allen anderen Firmen haben wir leider sehr wenige Exponate. Daher würde es uns freuen, wenn wir noch welche angeboten bekämen, gern auch leihweise.

Foto: Stadtmuseum

Die Hassia – das erste Gewerbegebiet Pfungstadts

In unserem Rahmenprogramm zur Ausstellung „Firmen und Geschäfte“ wird am Sonntag die Alte Remise, Rügnerstraße 35A , von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Thema ist das erste Gewerbegebiet in Pfungstadt im Bereich der heutigen Villa Büchner. Um 15.30 Uhr gibt es einen kurzer Vortrag zur Entwicklung des Geländes: Zuerst als Frankensteiner Mühle, dann als erste Fabrik im Großherzogtum Hessen zur Krappherstellung, danach die bekannte Blaufabrik für Ultramarinblau. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Dynamit und dann Schokolade erzeugt – daher auch der in Pfungstadt gebräuchliche Name „Hassia“ für diese Fläche.
Unter den Nationalsozialisten war der Reichsarbeitsdienst dort untergebracht und es gab auch eine Befreiungshalle, wo Aufmärsche stattfanden.  Heute steht hier die Villa Büchner und das Herrenhaus mit Büros.

Auch zum Gewerbegebiet zählt die ehemalige Fleischmühle, die später als Kammfabrik Gräf Kämme zuerst aus Naturmaterialien und später aus dem ersten Kunststoff Zelluloid in die ganze Welt exportierte. Anschließend wird ein Spaziergang auf das Gelände angeboten, bei dem alles vor Ort erklärt werden kann. Infos unter Stadtmuseum Pfungstadt, 988-1510 oder museum@pfungstadt.de. (Bilder von Rainer Ohl: Gelände von Pfungstadt aus gesehen, Herrenhaus, Kammfabrik)

Eröffnung der Sonderausstellung „Firmen und Geschäfte in Pfungstadt“

Das Stadtmuseum Pfungstadt hat die lange Pandemiezeit gut genutzt und eine neue Ausstellung in der Alten Remise aufgebaut. In der Remise waren früher die Kutschen und Pferde der Büttelschen Zündholzfabrik untergebracht und passend dazu geht es in der neuen Ausstellung um Firmen und Geschäfte in Pfungstadt.

Anlass dazu war das 600-seitige Buch von Heinz Büttel, der für den Zeitraum von 1890 bis 2020 die Entwicklung der Pfungstädter Geschäftswelt untersucht. Dazu kam ein handgemaltes Schild, das neben der Geschichte auch die Geschäftswelt von 1969 abbildete. Firmen, die viele Pfungstädter Lebensläufe prägten sowie Läden, wo man einkaufte.

Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, den 15. Mai, um 15 Uhr. Stadtrat Hajo Heist wird begrüßen, die Museumsleiterin Marion Roth über die Ausstellungskonzeption sprechen und Heinz Büttel dann durch die Ausstellung führen. Anschließend können sich die Gäste bei Kaffee und Kuchen noch über die Firmen und Geschäfte austauschen, die doch sehr die Lebensläufe der Pfungstädter prägten, wo lernte und arbeitete man, wo kaufte man ein und wie hat sich das doch alles verändert!

Im Rahmenprogramm soll hierauf näher eingegangen werden. Dies findet immer am zweiten Sonntag im Monat ab 15 Uhr statt und steht jeweils unter einem Thema, wie etwa die verschiedenen Gewerbegebiete – „Hassia“, Obere Rügnerstraße, Ostendstraße – „Bäcker und Metzger“ oder die Firma Ruckelshausen. Auch zur Pfungstädter Kerb, die während der „Tage der Industriekultur“ hoffentlich stattfindet, sind Veranstaltungen geplant. Zur Firma Ruckelshausen wird ein Erzählcafé angeboten, wo ehemalige Mitarbeiter:innen vom damaligen Firmenleben berichten. Auch findet so ein Café zu Bäckern und Metzgern in Pfungstadt statt. Werner Huxhorn hat eine Tafel aufgebaut, wo man mit Lichtern die einzelnen Standorte finden kann. Hier wird klar, wie viele Bäcker, Metzger und auch Kolonialwarenläden es früher in der Pfungstädter Kernstadt gab. Rainer Ohl malte den Stadtplan dazu, er steuerte auch viele Bilder zur Läden- und Industriearchitektur bei.

Die Öffnungszeiten sind neben den Sonntagen jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr, es können aber auch gerne weitere Termine vereinbart werden. Für Kindergruppen sind spezielle Führungen geplant, die auf die verschiedenen Altersklassen zugeschnitten sind. Weitere Informationen gibt es unter museum@pfungstadt.de oder 06157 988 1510.

Die Ausstellungsmacher: stehend: Werner Huxhorn und Rainer Ohl, sitzend: Heinz Büttel und Marion Roth

Nächste Ausstellung: 100 Jahre Pfungstädter Geschäfte

Zum Internationalen Museumstag am 15.5.2022 wird die neue Ausstellung des Stadtmuseums in der Alten Remise eröffnet. Die Entwicklung der Geschäfte hauptsächlich in den Jahren 1871 bis 1969 soll aufgezeigt werden. Eckpunkte sind das neu herausgegebenen Buch von Heinz Büttel „Firmen und Geschäfte in Pfungstadt“ und ein Tableau, auf dem Bäckereien, Metzgereien und Kolonialwarenläden um 1900 gezeigt werden, sowie ein handgemaltes Plakat von 1969, das zur Werbung der Stadt diente.

Heinz Büttel vor der Werbetafel (Foto: Museum)