1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Die Volkshochschule Darmstadt-Dieburg veranstaltet in diesem Jahr eine Reihe zum Thema „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Im Jahr 321 unserer Zeitrechnung wurde in Köln – damals Teil des Römischen Reiches – erstmals eine jüdische Gemeinde urkundlich genannt.

Dazu werden auch in Pfungstadt Veranstaltungen stattfinden, die erste am 8. Juni zum Eschollbrücker Zirkus Lorch. „Mitglieder der in Eschollbrücken ansässigen Familie Lorch gründeten bereits im 19. Jahrhundert einen Zirkus, der nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Nord- und Südamerika gastierte. Mehrere Angehörige der Zirkusfamilie überlebten den Holocaust nicht. Sie wurden in Auschwitz ermordet. Einige fanden hingegen Zuflucht und Schutz beim Zirkus Althoff.
Wir zeigen Ihnen den Dokumentarfilm „Zuflucht im Zirkus“ und besuchen anschließend die Ausstellung in der Pfungstädter Alten Remise über die Zirkusfamilie Lorch.
Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der AG Arbeit und Leben.“ (vhs)

Eine weitere Veranstaltung mit Spaziergängen zum Thema „Jüdische Nachbarn“ und einem Konzert des „Odenwälder Gugguggs“ in der ehem. Synagoge ist am 30.10. geplant.

Zur Anmeldung:

https://vhs.ladadi.de/programm/kurs/Cirkus-Lorch-weltberuehmt/01-01-1012

Foto: Renate Dreesen

Artikel im „Darmstädter Echo“

Das Zirkuszimmer zieht um….

Immer wieder kommen Interessenten von weit her und wollen Exponate zur einmaligen Geschichte der Familie Lorch/Bento sehen. Da die Borngasse bis auf unbestimmte Zeit geschlossen ist und erst mal keine weitere Sonderausstellung geplant ist, soll das Zirkuszimmer in der Alten Remise seinen Platz finden. Dort werden seit ein paar Wochen jeden Mittwoch Vormittag jedes Stück inventarisiert, um die Exponate als Dauerleihgabe an die Stadt Pfungstadt offiziell zu übergeben. Mary Storms (links) wird dabei helfen und uns die Geschichte der Exponate erzählen, die eine Zeitspanne von fast zwei Jahrhunderten umfasst und Einblicke über Internationale Zirkusgeschichte einerseits und Pfungstadt im Nationalsozialismus andererseits, sowie noch vieles mehr bietet. Buenos Aires, New York, Eschollbrücken!

Über Freiwillige, die uns helfen wollen, freuen wir uns sehr! Kommen Sie einfach vorbei oder rufen Sie uns an: 06157 988 1510, Rügnerstraße 35A.

Mary Storms und Hajo Heist, der als Vorsitzende der Kulturkommission Vertreter der Stadt Pfungstadt, der als langjähriger Eschollbrücker mit der Geschichte der „Lorch Family“ vertraut ist. (Foto: G. Krämer)

„90 Jahre Fernsehen“-Finissage

Wie schon angekündigt, kann unsere Schlussveranstaltung zum Internationalen Museumstag #MuseenEntdecken nur digital stattfinden. Liam O’Hainning, Axel Paap und Marion Roth, die Macher der Ausstellung, haben dazu einen Film gedreht, der jetzt unter https://www.youtube.com/embed/KDKBSoRJMnE anzusehen ist. Es geht um die Entwicklung der Fernsehtechnik in Deutschland mit Schwerpunkt auf die Fernseh GmbH, die in Darmstadt ansässig war und deren Geschichte im Pfungstädter Farvis-Fernseh-Museum von Liam O’Hainnin nachzuvollziehen ist.

Wir freuen uns über einen – virtuellen – Besuch! Aufgrund der neuen Bestimmungen können auch individuelle – analoge – Führungen ausgemacht werden, dies geht aber nur über persönliche Terminvereinbarungen unter 06157-988 1510 oder museum@pfungstadt.de.

Marion Roth, Liam O’Hainnin – per Videokonferenz – und Axel Paap (Foto: Axel Paap)

Film statt Finissage

Leider fällt die Finissage für die Ausstellung „90 Jahre Fernsehen“ in diesem Jahr nur digital aus. Es war geplant, stündlich Führungen und Vorträge anzubieten, aber Corona hat uns ausgebremst. Als Alternative gibt es dazu einen Film, den die Ausstellungsmacher gedreht haben, eigentlich ganz passend, einen Film zum Thema Fernsehen. Wir konnten natürlich nicht mit den alten Kameras drehen, dazu fehlt uns nicht die Technik, aber das Know-how, so mussten wir es ganz modern mit unseren Handys machen. Liam sitzt in Irland fest, der shutdown dauert noch an, so kam er per Videochat dazu. Der Film kann zum Tag der Finissage über den Blog des Stadtmuseums aufgerufen werden.

filmstattfinissage

Marion Roth, Liam O’Hainnin auf dem Bildschirm und Axel Paap, die Filmmacher….

Fernseh GmbH und Leo Pohl

Leo heißt die neue Sporthalle in Pfungstadt in der Mainstraße. Sie wurde nach Leo Pohl benannt, ein Pfungstädter Leichtathlet, der 1956 in Melbourne bei den Olympischen Spielen Bronze im Staffellauf gewann. Warum heißt die Sporthalle in Pfungstadt Leo?
Aber nicht nur sportlich war er von Bedeutung, sondern auch seine Tätigkeit für die Fernseh GmbH in Darmstadt und international war sehr interessant. Daher wurde 2016 eine Ausstellung zu Leo Pohl im Stadtmuseum Pfungstadt kuratiert, die auch seine Indonesien-Sammlung mit einbezog.
Am Sonntag, 1. März, soll von 15 bis 17 Uhr ist die Ausstellung „90 Jahre Fernsehen“ in der Remise geöffnet, um 15.30 Uhr ist ein Vortrag zur Fernseh GmbH und Leo Pohl mit einer anschließenden Führung nicht nur durch die Ausstellung, sondern auch durch die Sammlung von Liam O’Hainnin, der das Farvis-Fernseh-Museum in der Nähe aufgebaut hat und dafür international tätig ist.

Warum heißt die Sporthalle in Pfungstadt Leo?

Die neue Sporthalle in Pfungstadt, die in der Mainstraße gegenüber der Friedrich-Ebert-Schule zu finden ist, wurde im August 2019 eröffnet und ist nach Leonhard – Leo – Pohl benannt.

Leo Pohl wurde am 18. Juli 1929 in Allenstein im damaligen Ostpreußen geboren. Seine älteste Schwester hatte eine Brieffreundschaft zu einem Pfungstädter. Dieser Brieffreund verstarb im Zweiten Weltkrieg, seine Familie jedoch setzte sich für die Familie Pohl ein, dass diese ab 1945 eine neue Heimat in Pfungstadt fand.

Leo Pohl war schon immer sportlich und spielte in Pfungstadt zunächst beim TSV Eschollbrücken/Eich Fußball. Dort fiel er als besonders schneller Stürmer auf und man konnte ihn als Läufer für den TSV Pfungstadt gewinnen. In seiner sportlichen Laufbahn wurde er u. a. zweimal süddeutscher und 17-mal hessischer Meister und bereits 1952 sollte er an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnehmen. Da er damals allerdings als noch zu jung und unerfahren in internationalen Wettkämpfen galt, wurde er letztendlich nicht für den Leichtathletik-Kader nominiert.

Vier Jahre später durfte Leo Pohl dann an den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne teilnehmen und kehrte mit einer Bronze-Medaille nach Pfungstadt zurück: Zusammen mit Lothar Knörzer, Heinz Fütterer und Manfred Germar lief Leo Pohl in der 4-mal-100-Meter-Staffel nach 40,3 Sekunden hinter den USA und der damaligen Sowjetunion ins Ziel ein.

Über seinen Sieg sagte Leo Pohl: „Unsere Freude über die Bronze-Medaille war unbeschreiblich groß. Als wir zu Beginn der Wettbewerbe in die Arena geführt wurden, vorbei an dem Siegerpodest, da dachte ich: Schön wäre es ja. Und dann wurde es tatsächlich wahr: Ich stand auf dem Treppchen. Als die Namen der Medaillengewinner aufgerufen wurden, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter.”

Die neue Sporthalle wurde also nach einem bekannten Pfungstädter Sportler benannt, der bei dem größten sportlichen Ereignis der Welt eine Bronze-Medaille gewonnen hat.

1959 beendete Leo Pohl seine sportliche Laufbahn, war aber ab diesem Zeitpunkt beruflich weiterhin viel auf Reisen und blieb den Olympischen Spielen treu. Seit 1952 war Leo Pohl bei der Fernseh GmbH in Darmstadt tätig, ab den 1960er Jahren war er Leiter der Service-Abteilung. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio wurde Technik der Fernseh GmbH eingesetzt, um die Wettkämpfe in andere europäische Länder zu übertragen. 1972 wurde die Fernseh GmbH umfirmiert in Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH und lieferte zu den Olympischen Spielen in München 120 Kameras, 24 Übertragungswagen und 12 komplette Fernsehstudios. Leo Pohl war damals als Technischer Leiter maßgeblich dafür verantwortlich, dass die weltweite Übertragung der Spiele ermöglicht wurde.

Mit der Fernseh GmbH brachte Leo Pohl aber auch moderne Fernsehtechnik in andere Länder. In Indonesien wurde beispielsweise 1970 ein Fernseh-Lehrstudio eingerichtet, in dem Leo Pohl Techniker ausbildete.

Vielen Pfungstädter sind Leo Pohl und seine Ehefrau Christa als langjährige Mitglieder des Museumsverein Pfungstadt e. V. (jetzt Heimat- und Museumsverein Pfungstadt 1948 e. V.) bekannt. Seit 1995 begleiteten beide viele Ausstellungen und waren geschätzte Mitglieder. Das Stadtmuseum Pfungstadt widmete ihm 2015 eine Ausstellung, in der auf sein Leben, seine sportliche Laufbahn, seine Arbeit bei der Fernseh GmbH und seine indonesische Sammlung eingegangen wurde. Eine Broschüre wurde herausgegeben, die hier runtergeladen werden kann.

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Leo Pohl ist am 23. April 2014 im Alter vom 84 Jahren verstorben. Mit der Sporthalle Leo werden sich nun jedoch noch die nachfolgenden Generationen an Leo Pohl erinnern können.

Danke Leo!

Zocken im Museum….

Die Geschichte der Videospiele ist Thema in der Alten Remise in Pfungstadt. Am Sonntag, 2.2., wird während der Öffnung der Sonderausstellung „90 Jahre Fernsehen“ von 15 bis 17 Uhr über die Entwicklung des Videospiels von den 1950er bis 90er Jahre berichtet und anschließend können die alten Spiele ausprobiert werden! Dazu gibt es Kaffee und Kuchen!
Axel Paap und Liam O’Hainnin beim Spielen… (Foto: Dieter Stetter)
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