Gastbeitrag

Kindergeburtstag im Stadtmuseum Pfungstadt

Viele Eltern waren erstaunt: Ein Museum in Pfungstadt? Wir wussten gar nicht, dass es so etwas gibt! Zugegebenermaßen hätte ich ohne die Ausflugstipps der Echo- Redakteure, die unter dem Titel Südhessen entdecken, viele Ideen für Natur- und Kulturerkundungen in unserer Region liefern, auch keine Ahnung gehabt. Nun, nachdem ich mit Museumsleiterin Marion Roth ein Vorgespräch hatte und beim Vorab-Besuch einen Einblick gewinnen konnte, was dort alles ausgestellt ist, hatte ich einen kleinen Vorsprung, wusste vom Unterkiefer des Wollnashorns, der Glockenbecherkultur, der Römerzeit, Leben in Pfungstadt im 19. Jahrhundert und und und.

An einem regnerischen Sonntag im Juni luden wir 10 Kinder in Autos, um den 10. Geburtstag unseres Sohnes in Pungscht zu feiern. Frau Roth begrüßte die Kinder und zeigte ihnen die wichtigsten Exponate der Sammlung. Dann wurden zwei Mannschaften gebildet und eine Chaosspiel genannte Museumsrallye gestartet. Ausgangspunkt dabei, ein Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel, deren Felder jeweils Nummern zugeordnet waren. Es wurde gewürfelt, gezogen und danach die entsprechende Nummer im ganzen Haus gesucht. Frau Roth hatte Zettel mit Begriffen verteilt, auf deren Rückseite Nummern notiert waren. War endlich die richtige Zahl gefunden, wies der Begriff auf der Vorderseite des Zettels auf die zu bewältigende Aufgabe. Dabei erwies es sich als Fitnessübung, dass das Museum sich über zwei Etagen erstreckt und viele Fragen sich auf das Leben in Pfungstadt in früherer Zeit bezogen, jene Exponate, die im Dachgeschoss ausgestellt sind. Trepp hoch, Trepp runter jagten die Kinder. Die zu erfüllenden Aufgaben waren ganz unterschiedlich: Kaffee mit einer Mühle von Hand mahlen, Strophen eines Gedichtes auswendig lernen, mit der Schreibmaschine einen Satz über das Museum tippen, auf dem Klavier eine Melodie spielen oder die Spechthöhle suchen oder den Sauerkrauthobel oder die Wurstfüllmaschine. Nach mehr als einer Stunde stand der Sieger fest. In einer Zeit, in der wir gewohnt sind, unser Wissen jederzeit mit smarten Geräten aus dem Internet zu saugen, mag es altertümlich erscheinen, in einem Museum nach Gegenständen zu fahnden, die heute kein Mensch mehr braucht, diese Artefakte zu sehen und anzufassen. Aber so ganz kann die junge Generation nicht nachweisen, dass sie am Vergangenen kein Interesse hat. Mag der eine oder andere lieber an seinem Smartphone spielen und alle mit seiner Lieblingsmusik beglücken wollen, so steht die Pose der Coolness doch auf wackeligen Füßen. Die Kinder können sich noch für einfache Dinge begeistern. Und was habe ich als Erwachsener mitgenommen? Jetzt weiß ich, dass in Pfungstadt Ziegen gezüchtet wurden. Und habe ein neues Wort gelernt: der Faselstall. In diesem wurden alle männlichen Zuchttiere des Ortes untergebracht. Das ist nicht viel, das ist nicht wenig. Wissen vermittelt sich bisweilen unspektakulär.

Eric Giebel, 13.06.2016

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