Warum heißt die Sporthalle in Pfungstadt Leo?

Die neue Sporthalle in Pfungstadt, die in der Mainstraße gegenüber der Friedrich-Ebert-Schule zu finden ist, wurde im August 2019 eröffnet und ist nach Leonhard – Leo – Pohl benannt.

Leo Pohl wurde am 18. Juli 1929 in Allenstein im damaligen Ostpreußen geboren. Seine älteste Schwester hatte eine Brieffreundschaft zu einem Pfungstädter. Dieser Brieffreund verstarb im Zweiten Weltkrieg, seine Familie jedoch setzte sich für die Familie Pohl ein, dass diese ab 1945 eine neue Heimat in Pfungstadt fand.

Leo Pohl war schon immer sportlich und spielte in Pfungstadt zunächst beim TSV Eschollbrücken/Eich Fußball. Dort fiel er als besonders schneller Stürmer auf und man konnte ihn als Läufer für den TSV Pfungstadt gewinnen. In seiner sportlichen Laufbahn wurde er u. a. zweimal süddeutscher und 17-mal hessischer Meister und bereits 1952 sollte er an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnehmen. Da er damals allerdings als noch zu jung und unerfahren in internationalen Wettkämpfen galt, wurde er letztendlich nicht für den Leichtathletik-Kader nominiert.

Vier Jahre später durfte Leo Pohl dann an den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne teilnehmen und kehrte mit einer Bronze-Medaille nach Pfungstadt zurück: Zusammen mit Lothar Knörzer, Heinz Fütterer und Manfred Germar lief Leo Pohl in der 4-mal-100-Meter-Staffel nach 40,3 Sekunden hinter den USA und der damaligen Sowjetunion ins Ziel ein.

Über seinen Sieg sagte Leo Pohl: „Unsere Freude über die Bronze-Medaille war unbeschreiblich groß. Als wir zu Beginn der Wettbewerbe in die Arena geführt wurden, vorbei an dem Siegerpodest, da dachte ich: Schön wäre es ja. Und dann wurde es tatsächlich wahr: Ich stand auf dem Treppchen. Als die Namen der Medaillengewinner aufgerufen wurden, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter.”

Die neue Sporthalle wurde also nach einem bekannten Pfungstädter Sportler benannt, der bei dem größten sportlichen Ereignis der Welt eine Bronze-Medaille gewonnen hat.

1959 beendete Leo Pohl seine sportliche Laufbahn, war aber ab diesem Zeitpunkt beruflich weiterhin viel auf Reisen und blieb den Olympischen Spielen treu. Seit 1952 war Leo Pohl bei der Fernseh GmbH in Darmstadt tätig, ab den 1960er Jahren war er Leiter der Service-Abteilung. Bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokio wurde Technik der Fernseh GmbH eingesetzt, um die Wettkämpfe in andere europäische Länder zu übertragen. 1972 wurde die Fernseh GmbH umfirmiert in Robert Bosch Fernsehanlagen GmbH und lieferte zu den Olympischen Spielen in München 120 Kameras, 24 Übertragungswagen und 12 komplette Fernsehstudios. Leo Pohl war damals als Technischer Leiter maßgeblich dafür verantwortlich, dass die weltweite Übertragung der Spiele ermöglicht wurde.

Mit der Fernseh GmbH brachte Leo Pohl aber auch moderne Fernsehtechnik in andere Länder. In Indonesien wurde beispielsweise 1970 ein Fernseh-Lehrstudio eingerichtet, in dem Leo Pohl Techniker ausbildete.

Vielen Pfungstädter sind Leo Pohl und seine Ehefrau Christa als langjährige Mitglieder des Museumsverein Pfungstadt e. V. (jetzt Heimat- und Museumsverein Pfungstadt 1948 e. V.) bekannt. Seit 1995 begleiteten beide viele Ausstellungen und waren geschätzte Mitglieder. Das Stadtmuseum Pfungstadt widmete ihm 2015 eine Ausstellung, in der auf sein Leben, seine sportliche Laufbahn, seine Arbeit bei der Fernseh GmbH und seine indonesische Sammlung eingegangen wurde. Eine Broschüre wurde herausgegeben, die hier runtergeladen werden kann.

Leo-Pohl-Ein-Pfungstädter-kommt-rum

LeoPohl-Broschuere_UmschlagLeoPohl-Broschuere

Leo Pohl ist am 23. April 2014 im Alter vom 84 Jahren verstorben. Mit der Sporthalle Leo werden sich nun jedoch noch die nachfolgenden Generationen an Leo Pohl erinnern können.

Danke Leo!

Ein Gedanke zu „Warum heißt die Sporthalle in Pfungstadt Leo?

  1. Pingback: Fernseh GmbH und Leo Pohl | Stadtmuseum Pfungstadt

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