1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland: Pfungstadt

Die Volkshochschule Darmstadt-Dieburg greift im Herbstsemester 2021/22 erneut das Sonderthema „Jüdisches Leben“ auf und auch in Pfungstadt finden verschiedene Veranstaltungen statt.

Am Samstag, 30. Oktober, öffnet sich die ehemalige Synagoge in Pfungstadt, Hillgasse 8, um 19 Uhr für ein besonderes Konzertangebot. Liedermacher Jürgen Poth aus Reinheim singt und erzählt in seinem aktuellen Programm vom jüdisch-christlichen Miteinander. Mit eigenen Texten und alten Melodien bietet er Einblicke in eine Kultur, die seit 1700 Jahren zu uns gehört und doch fremd geblieben ist. Er schildert das Leben in Pfungstadt im Verlauf unserer gemeinsamen Geschichte und gibt damit den Nachbarn, von denen vielleicht nur noch ein Stolperstein als Erinnerung übrig ist, wieder ein Gesicht. Er lädt musikalisch dazu ein, auch auf das Nebeneinander und Gegeneinander christlichen und jüdischen Lebens zu schauen. Kulturelle Parallelen in der weltlichen Nachbarschaft von Juden und Christen wurden zwischen 1933 und 1945 mit den Verbrechen des Holocaust systematisch ausgelöscht. Diese Zeit lehrt uns, mit unserer Verantwortung umzugehen, die Zeichen für Intoleranz zu erkennen, sie offen anzusprechen und wieder zu verlässlichen Nachbarn zu werden. Die Gäste in der ehemaligen Synagoge werden sich mit diesem Konzert auf eine besondere Erinnerungsreise begeben.

(Fotograf: Thomas Gelfort, Dieburg)

Am Mittwoch vorher und nachher (27.10 und 3.11.2021) berichtet Jürgen Poth, der „von seinen Recherchen zu diesem Themenbereich (Zwischen Heimat und Hölle – Jüdische Nachbarn in Deutschland). Teilnehmer:innen dieser Veranstaltung können das Konzert kostenlos besuchen.

Die Stadtführung: „Jüdisches Leben in Eschollbrücken und Pfungstadt“ führt am 30.10. in Eschollbrücken zu „Stolpersteinen“ vor den Häusern der Familien Landberg, Jeidel, Wolf und der Zirkusfamilie Lorch, geführt von Wolfgang Roth, Verein für Heimatgeschichte Eschollbrücken. Anschließend geht es mit Renate Dreesen, Arbeitskreis ehemalige Synagoge, zu Stätten jüdischen Lebens in der Kernstadt: zur Israelitischen Lehranstalt, wo Chaim Weizmann lehrte und zur ehem. Remise, wo das Zirkuszimmer seinen Platz hat. Danach besteht die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Abendessen und dem anschließenden Besuch des Konzerts.

Wenn däs de Luther wüsst!

Musikalisch-kabarettistischer Abend zu 500 Jahren Reformation

Einen christlichen Heidenspaß versprechen Museum und Seniorenbeirat der Stadt Pfungstadt! Der Liedermacher und treue Kirchensteuerzahler Jürgen Poth hat seine Gedanken zum Luther-Jahr vertont und grübelt musikalisch, ob Luther seine Reformation noch wiedererkennen würde. Poth bietet sich als Odenwälder Klugschwätzer und Hobbyaushilfsketzer an, dem alten Luther die konfessionelle Gegenwart zu erklären.

Statt mit Harfe und Heiligenschein unterhält er in seinem aktuellen Soloprogramm mit Gitarre und frechen Texten. Statt 95 Thesen an eine Kirchentür in der Stadt zu nageln, bringt er Lieder und Vorträge mit, mit denen er zum vergnüglichen Nachdenken, aber vor allem zum ökumenischen Lachen einlädt. Statt frommer Choräle lässt er die anwesende Gemeinde flotte Lieder über Glaube, Reformation, Pfarrer und ihre steuerpflichtigen Schäfchen mitsingen. Und statt Katechismus und Gesangbuch wird ein eigenes Liedblatt durch die schräge Liturgie führen.

Ablass- und Einlasszettel werden keine verkauft, der Eintritt ist frei, eine Spende ist aber herzlich willkommen. Das Konzert im Kulturhaus ehem. Synagoge, Hillgasse 8, am Mittwoch, 1. November, beginnt um 18 Uhr. Die VeranstalterInnen bieten Getränke und einen kleinen Imbiss an. Weitere Infos gibt es unter   www.senioren-pfungstadt.de .