6. Tag: Bäcker

Zwei Pfungstädter Bäcker sind gekommen, haben leckeren Kuchen von der Bäckerei Liebig mitgebracht und davon erzählt, welche Veränderungen es im Backhandwerk im Laufe der letzten 50 Jahre gegeben hat. Dann haben wir noch über die heute Backteile, die aus Tschechien und sogar Indonesien importiert werden, gesprochen und über die Schwierigkeiten der Bäcker bei der Hitze.

 

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3. Woche im Erzählcafé

Am Montag, 29.7. geht es um Volleyball: ein Gründer der Eschollbrücker Abteilung erzählt von der Anfängen. Am Dienstag kommt eine Pfungstädterin, die seit Jane Fonda Aerobic und die unterschiedlichen Entwicklungen davon anleitet. Am Mittwoch kommt ein Vereinsmensch und wir wollen darüber reden, welche Rolle Vereine spielen und gespielt haben. Am Donnerstag, dem 1.8. werden wir alte und auch neue Kartenspiele ausprobieren. Eine ehemalige Hahner Kindergartenleiterin kommt am Freitag und erzählt, wie es im Kindergarten der 60er Jahre und später war.

5. Tag: Nachkriegsjahre

Kratzige Pullover aus Zuckersäcken

Nachkriegszeit – Im Erzählcafé des Pfungstädter Museums wird im Sommer regelmäßig über bunte Themen berichtet

Erinnern sich an alte Zeiten: Gudrun Schmidt (von rechts), Else Roth und Wilhelm Heil berichten im Erzählcafé im Museum Pfungstadt von der Jugend im Nachkriegsdeutschland. Foto: André Hirtz

Vergrößern | Erinnern sich an alte Zeiten: Gudrun Schmidt (von rechts), Else Roth und Wilhelm Heil berichten im Erzählcafé im Museum Pfungstadt von der Jugend im Nachkriegsdeutschland. Foto: André Hirtz
PFUNGSTADT.

Malzkaffee statt Bohnenkaffee im weißen Goldrandporzellan und frischer Hefekuchen boten beim Erzählcafé im Pfungstädter Stadtmuseum den passenden Rahmen für das Thema „Kindheit in der Nachkriegszeit“. Wilhelm Heil und Bernd Fissel berichten aus ihrer Jugend, haben dazu auch ein altes Sammelalbum mit Bildern mitgebracht, wie sie die Kinder früher beim Kauf bestimmter Produkte als Dreingabe erhielten.

Wann und wo

Am Mittwoch (24.) sind Hütehunde das Thema. Am Donnerstag (25.) werden bekannte Lieder mit der Mundorgel zum Thema Wandern, Zelten und Seefahrt gesungen und am Freitag (26.) wird „Pungschder Platt“ geredet. Das Café wird immer um 11 Uhr geöffnet.

 

Die Runde aus 15 Besuchern ist gespannt, Museumsleiterin Marion Roth hat außerdem ein bunt besticktes Stück Stoff mitgebracht, das keiner so recht einzuordnen weiß. Die Jüngsten in der Runde sind der 13 Jahre alte Tim und sein zwölf Jahre alter Freund Bastian. „Ich finde die Vergangenheit sehr interessant und will mir auch die Sonderausstellung zum Wald ansehen“, sagt Tim. Bastian gefallen vor allem die ausgestopften Tiere im Museum. „Die sind richtig cool“, meint er.

Kinder züchten SeidenraupenBernd Fissel prüft derweil das Tuch, das die Gäste inzwischen von Hand zu Hand gehen lassen, mit den Fingern. „Das muss Seide sein“, stellt er fest und rasch kommt das Gespräch auf die Seidenraupenzucht, die die Kinder in den Kriegsjahren in den Schulen auf Anordnung aus Berlin ausüben mussten.

Nach dem Krieg, so wird der Faden weiter gesponnen, wurden die nicht mehr gebrauchten Fallschirme aus Seide aufgedröselt und ihr Grundmaterial wiederverwendet. „Auch die gebrauchten Zuckersäcke wurden aufgezogen und daraus Pullover gestrickt. Die haben fürchterlich gekratzt“, erinnert sich Fissel.

„Wir haben in Pfungstadt nach dem Krieg als Kinder nicht hungern müssen“, berichten die älteren Pfungstädter. Es habe zum Beispiel für Kinder, deren Eltern keine Selbstversorger waren, wie die Siedler an der Seeheimer Straße, in der Schule die Quäker-Schulspeisung gegeben. „Die Siedlerkinder bekamen nichts davon, aber ich habe mit ihnen oft meine Ration getauscht, vor allem wenn Süßes dabei war“, erinnert sich eine ältere Dame.

Man habe damals das Essgefäß an die Ranzen gebunden und in die Schule mitgebracht. Fissel erinnert sich noch an die Cadbury-Schokolade und die Standardfrage der Kinder damals an die amerikanischen GIs: „Have you chewing gum?“

Auch wenn die Schulkinder nach dem Krieg nicht mehr zur Seidenraupenzucht oder zur Kräutersammlung für den Tee der Frontsoldaten verpflichtet waren, so hatten sie nach dem Krieg noch immer alle Hände voll zu tun. „Wir haben bei den Bauern geholfen und im Sommer Kieferzapfen für den Winterbrand gesammelt“, berichtet eine Dame.

Bernd Fissel erzählt davon, wie er als Bewohner der Malzfabrik in der dort ebenfalls angesiedelten Firma Brutali, die Kindernahrung herstellte, geholfen hat und dafür mitessen durfte. „Es gab immer mittags diesen Brei, dessen Pulver die Firma produziert hat, das hat mich ganz schön gemästet, sodass ich rasch den Spitznamen ,Dicker’ hatte“, berichtet er und lacht bei der Erinnerung.

Auch die Einquartierung amerikanischer Soldaten war Thema im Erzählcafé. „Haben Sie ein Bad?“, sei damals die Standardfrage gewesen und wer über diesen Komfort verfügt habe, sei sein Haus für teilweise lange Zeit los gewesen und musste sich bei Nachbarn, Freunden oder Verwandten einquartieren.